Wirtschaft fordert Umsetzung statt Ankündigungen
IHK fordert für 2026: Energiekosten senken, Verwaltung beschleunigen, Investitionen auslösen
Zum Jahreswechsel richtet die Industrie- und Handelskammer Ostwestfalen zu Bielefeld (IHK) ihren Blick auf 2026 – zuversichtlich, aber mit einem klaren Arbeitsauftrag an die Politik: Entlastungen und Investitionsanreize müssten nicht nur angekündigt, sondern spürbar in den Betrieben wirksam werden. Im Zentrum stehen aus Sicht der Kammer drei Stellhebel: niedrigere Energiekosten, eine modernere und schnellere Verwaltung sowie steuerliche Impulse, die Investitionen tatsächlich auslösen.
Die IHK setzt damit weniger auf eine neue wirtschaftspolitische Wunschliste als auf Tempo bei Vorhaben, die politisch bereits im Raum stehen – darunter ein „Investitions- und Wachstumsbooster“ und ein „Bauturbo“. Entscheidend sei aus Sicht der regionalen Wirtschaft, dass daraus verlässliche Rahmenbedingungen entstehen: planbar, unbürokratisch und mit kurzfristig messbarer Wirkung.
Die IHK erhöht den Druck auf die Umsetzung
Bereits Anfang Dezember hatte die IHK beim Jahresempfang betont, dass mehrere Vorhaben der Bundesregierung in Ostwestfalen Potenziale freisetzen könnten – wenn sie zügig umgesetzt werden.
Genannt wurden dabei unter anderem:
- Entlastungen bei den Energiekosten
- Modernisierungsagenda für Staat und Verwaltung
- Investitionsfördernde Maßnahmen
Die Botschaft dahinter ist auch strategisch: Für export- und industrienahe Regionen wie Ostwestfalen zählt weniger die Ankündigung, sondern die Geschwindigkeit, mit der Projekte genehmigt, Investitionen angestoßen und Kostenbremsen gelöst werden.
Energiekosten, Verwaltung, Steuern: Darauf zielt die IHK
1) Energiekosten senken – Wettbewerbsfähigkeit absichern
Die IHK hält die Energiepreise im internationalen Vergleich für zu hoch und sieht darin einen direkten Wettbewerbsnachteil, gerade für energieintensive Betriebe und Zulieferketten in der Region.
Als erste wirksame Signale gelten aus Sicht der Kammer eine Reduzierung der Stromsteuer und niedrigere Netzentgelte.
Solche Entlastungen wären für Unternehmen nicht nur eine Kostenfrage, sondern auch ein Faktor für Standortentscheidungen: Wer Produktionslinien modernisiert oder Kapazitäten erweitert, kalkuliert Energiekosten über Jahre hinweg.
2) Verwaltung modernisieren – Zeit wird zum Standortfaktor
Neben den Kosten rückt die IHK die Geschwindigkeit des Staates in den Fokus. Genehmigungen, Nachweispflichten und Dokumentationsanforderungen binden in vielen Betrieben Ressourcen, die für Produktion, Innovation oder Vertrieb fehlen.
In einer gemeinsamen Initiative der Wirtschaftskammern in Ostwestfalen wurde Anfang 2025 auf Basis einer Umfrage unter knapp 250 Betrieben berichtet, Bürokratie beanspruche im Durchschnitt rund ein Viertel der betrieblichen Tätigkeit.
Besonders belastend seien demnach:
- Aufbewahrungs- und Dokumentationspflichten
- Datenschutzvorgaben
- Meldepflichten
Die Forderung zielt deshalb auf schlankere Verfahren, weniger Doppelregulierung und eine konsequentere Digitalisierung – bis hin zu zentralen Online-Prozessen, die Abläufe standardisieren und beschleunigen.
3) Steuerliche Impulse für Investitionen – schneller von der Idee zur Maschine
Der „Investitions- und Wachstumsbooster“ steht exemplarisch für den Anspruch, Investitionen nicht nur zu fördern, sondern zeitlich vorzuziehen.
Das Bundeskabinett beschloss am 4. Juni 2025 ein steuerliches Investitionssofortprogramm, das private Investitionen beschleunigen und die Wettbewerbsfähigkeit stärken soll.
Vorgesehen sind unter anderem:
- erleichterte Abschreibungsmöglichkeiten für bewegliche Wirtschaftsgüter
- zusätzliche Anreize bei Investitionen in E-Mobilität
Für Betriebe ist das vor allem dann relevant, wenn steuerliche Regeln Planungssicherheit schaffen und Investitionen schneller wirtschaftlich darstellbar werden – etwa bei Maschinen, Fuhrparks oder Automatisierung, die in vielen Unternehmen kurzfristig über Wettbewerbsfähigkeit und Beschäftigung entscheiden.
Warum das für Ostwestfalen besonders relevant ist
Die IHK Ostwestfalen zu Bielefeld ist als Körperschaft des öffentlichen Rechts die Interessenvertretung der regionalen Wirtschaft. Ihr Bezirk umfasst die Stadt Bielefeld sowie die Kreise Gütersloh, Herford, Höxter, Minden-Lübbecke und Paderborn; nach eigenen Angaben vertritt sie rund 115.000 Unternehmen aus Industrie, Handel und Dienstleistungen.
Entsprechend groß ist das Gewicht der Themen: Energiekosten, Genehmigungsdauer und Investitionsbedingungen wirken in einer solchen Wirtschaftsstruktur unmittelbar auf Aufträge, Standortentscheidungen und den Arbeitsmarkt.
In der Frühjahrskonjunkturumfrage 2025 zeichnete die IHK ein angespanntes Bild für die Industrie rund um Bielefeld: Nur 3 Prozent der Industriebetriebe bewerteten ihre aktuelle Lage als gut, 50 Prozent als schlecht. Parallel ging die Investitionsbereitschaft zurück: Nur 15 Prozent der Betriebe wollten mehr investieren; häufig dominierten Ersatzinvestitionen (71 Prozent). Unter diesen Vorzeichen wird jede Stellschraube wichtig, die Entscheidungen beschleunigt – sei es durch sinkende laufende Kosten, weniger Verwaltungsaufwand oder steuerliche Anreize, die Investitionen schneller rentabel machen.
Die Stoßrichtung der IHK ist damit klar: Für 2026 fordert sie vor allem Umsetzungsstärke. Ob daraus spürbare Entlastungen und zusätzliche Investitionen in Ostwestfalen entstehen, hängt aus Sicht der Wirtschaft nun weniger an neuen Programmen – sondern daran, ob politische Zusagen zügig, verlässlich und praxisnah bei den Unternehmen ankommen.
Häufig gestellte Fragen
Quellen
- https://www.radiobielefeld.de/nachrichten/am-puls-der-stadt/ihk-in-bielefeld-formuliert-erwartungen-an-die-politik.html, 26.12.2025
- https://www.ostwestfalen.ihk.de/presse/aktuelle-pressemeldungen/jahresempfang-der-ihk-ostwestfalen-klare-botschaften-und-beitragssenkung/
- https://www.ostwestfalen.ihk.de/presse/aktuelle-pressemeldungen/ihk-konjunkturumfrage-ostwestfaelische-wirtschaft-in-der-warteschleife/
- https://www.ostwestfalen.ihk.de/presse/aktuelle-pressemeldungen/buerokratiebelastungen-fuer-owl-unternehmen-weiter-gestiegen-wirtschaftskammern-fordern-von-der-politik-entschlossenes-umsteuern/
- https://www.bundesfinanzministerium.de/Content/DE/Pressemitteilungen/Finanzpolitik/2025/06/2025-06-04-kabinett-beschliesst-wachstumsbooster.html
- https://www.ihk.de/ostwestfalen/ihre-ihk/presse/pressemeldungen/pressemeldungen2025/pm-2025-konjunkturfrage-bielefeld-6637890
- https://www.ihk.de/ostwestfalen/ueber-uns/

