Wirtschaft fordert spürbare Entlastungen
IHK fordert klare Entlastung: So soll 2026 für Unternehmen besser werden
Zum Jahreswechsel verbindet die Industrie- und Handelskammer Ostwestfalen zu Bielefeld (IHK) ihren Blick auf 2026 mit einer klaren Erwartung an die Politik: Entlastungen und Investitionsimpulse sollen nicht bei Ankündigungen stehen bleiben, sondern im betrieblichen Alltag spürbar werden. Im Kern geht es aus Sicht der Kammer um drei Stellschrauben – Energiekosten, eine leistungsfähigere Verwaltung und steuerliche Rahmenbedingungen, die Investitionen erleichtern.
Die IHK versteht sich dabei als Sprachrohr der regionalen Wirtschaft. Nach eigenen Angaben vertritt sie rund 115.000 Unternehmen in Ostwestfalen-Lippe – vom kleinen Betrieb bis zum industriellen Mittelstand. Entsprechend zielt der Forderungskatalog weniger auf Grundsatzdebatten als auf konkrete Bedingungen, die über Investitionen, Ausbildung und Standortentscheidungen mitentscheiden.
Energiepreise als Standortfaktor – Entlastung soll Investitionen freisetzen
Am deutlichsten setzt die Kammer beim Thema Energie an. Hohe Stromkosten gelten in vielen Betrieben als unmittelbare Belastung, die nicht nur Margen drückt, sondern Investitions- und Produktionsentscheidungen beeinflusst. Die IHK hält deshalb eine spürbare Entlastung für zentral, um wieder mehr Spielraum für Modernisierung und Wachstum zu schaffen.
In ihren Positionen drängt die Kammer unter anderem darauf, Stromsteuer und Netzentgelte zu senken. Auch Überlegungen zu einem Industriestrompreis werden als mögliche Brücke diskutiert, um energieintensive Wertschöpfung in Deutschland wettbewerbsfähig zu halten – ob und wie solche Instrumente 2026 greifen könnten, hängt allerdings von der politischen Umsetzung und Ausgestaltung ab. Für die Betriebe ist dabei weniger das Etikett entscheidend als die Verlässlichkeit: Planbare Kosten gelten als Voraussetzung, damit Investitionen nicht verschoben oder an andere Standorte verlagert werden.
Modernisierungsagenda: Weniger Reibungsverluste durch Bürokratie und langsame Verfahren
Der zweite Schwerpunkt richtet sich auf Staat und Verwaltung. Die IHK fordert eine Modernisierungsagenda, die Genehmigungen, Anträge und Nachweispflichten spürbar vereinfacht. Dahinter steht ein praktischer Befund aus dem Unternehmensalltag: Wenn Verfahren Monate dauern, Unterlagen mehrfach eingereicht werden müssen oder Zuständigkeiten unklar bleiben, wird nicht nur Zeit gebunden – Projekte verteuern sich, Investitionen verzögern sich und Kapazitäten fehlen an anderer Stelle.
Gerade kleine und mittlere Unternehmen trifft das nach Einschätzung der Kammer überproportional, weil sie weniger Personal für Dokumentation und Regelungsmanagement vorhalten können. Die IHK setzt deshalb auf „Quick Wins“: digitalere Abläufe, schlankere Genehmigungsprozesse und praxistaugliche Regeln, die Betriebe nicht mit zusätzlicher Bürokratie belasten, ohne einen klaren Mehrwert zu schaffen.
Entscheidend sei, dass Reformen nicht als abstrakte Verwaltungsreform enden, sondern messbar in kürzeren Bearbeitungszeiten und weniger Pflichtaufwand ankommen.
Investitionsimpulse: Booster und „Bauturbo“ sollen in der Realwirtschaft wirken
Drittens nimmt die IHK steuerliche Impulse und die Umsetzung angekündigter Programme in den Blick. Maßnahmen wie „Investitions- und Wachstumsbooster“ und „Bauturbo“ werden politisch als Elemente einer Investitionsoffensive beschrieben – verbunden mit dem Anspruch, Wachstum zu fördern und den Standort zu stärken. Aus Sicht der IHK ist damit zwar eine Richtung vorgegeben; für die Betriebe entscheidet aber der Vollzug: Förder- und Steueranreize müssen verständlich, schnell zugänglich und verlässlich sein, damit Unternehmen sie tatsächlich in Investitionsentscheidungen einpreisen können.
In der Praxis bedeutet das auch: Je einfacher Anträge, Nachweise und Fristen handhabbar sind, desto eher entfalten Programme Wirkung – insbesondere im Mittelstand, der Investitionen häufig über mehrere Jahre plant und auf kalkulierbare Rahmenbedingungen angewiesen ist. Als Beispiel für steuerliche Investitionsanreize verweist die IHK in ihrer Arbeit immer wieder auf Instrumente wie die steuerliche Forschungszulage, die bei passender Ausgestaltung Forschung und Entwicklung in Unternehmen erleichtern kann. Der Nutzen entsteht jedoch erst dann, wenn Verfahren und Kriterien so gestaltet sind, dass Betriebe den Weg von der Idee zur Förderung ohne übermäßige Hürden gehen können.
Die Stoßrichtung der IHK ist damit eindeutig: 2026 soll aus Sicht der regionalen Wirtschaft weniger von neuen Überschriften geprägt sein, sondern von spürbarer Entlastung – bei Energie, bei Bürokratie und bei Investitionsanreizen. Ob die Erwartungen erfüllt werden, wird sich nicht an politischen Absichtserklärungen messen lassen, sondern daran, ob Betriebe in Ostwestfalen-Lippe schneller planen, günstiger produzieren und verlässlicher investieren können.
Häufig gestellte Fragen
Quellen
- https://www.radiobielefeld.de/nachrichten/am-puls-der-stadt/ihk-in-bielefeld-formuliert-erwartungen-an-die-politik.html, 26.12.252025
- https://www.ihk.de/ostwestfalen/ueber-uns/
- https://blog.ostwestfalen.ihk.de/allgemein/koalitionsverhandlungen-ihk-fordert-deutlich-mehr-ambitionen-von-potenziellen-koalitionspartnern/, 02.04.2025
- https://www.ostwestfalen.ihk.de/fileadmin/Positionspapiere/Standpunktpapier_Buerokratie_20250728_Beteiligung.pdf, 28.07.2025
- https://www.ostwestfalen.ihk.de/presse/aktuelle-pressemeldungen/jahresempfang-der-ihk-ostwestfalen-klare-botschaften-und-beitragssenkung/, 02.12.2025
- https://www.bundesregierung.de/breg-de/aktuelles/bundeshaushalt-2026-2374030, 19.12.2025

