Wirtschaftspolitische Erwartungen zum Jahreswechsel
IHK in Bielefeld formuliert Erwartungen an die Politik
Die Industrie- und Handelskammer Ostwestfalen zu Bielefeld verbindet ihren Ausblick auf 2026 mit konkreten Erwartungen an die Wirtschaftspolitik: Energiekosten sollen spürbar sinken, Verwaltung und Genehmigungen schneller und digitaler werden, Investitionen steuerlich attraktiver. In einer Pressemitteilung zum Jahreswechsel macht die Kammer deutlich, dass es weniger an neuen Ankündigungen fehle als an verlässlicher Umsetzung im Alltag der Betriebe (IHK Ostwestfalen, 26.12.2025).
Im Mittelpunkt stehen damit Rahmenbedingungen, die quer über Branchen wirken: laufende Kosten, planbare Verfahren und Investitionsanreize. Die Botschaft ist eindeutig: Programme entfalten erst dann wirtschaftliche Relevanz, wenn sie bei Unternehmen ankommen – also Entscheidungen erleichtern, Projekte beschleunigen und Finanzierungsspielräume erhöhen.
Die IHK setzt den Schwerpunkt auf Kosten, Tempo und Investitionen
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Energiekosten: Für viele Betriebe sind Strom- und Gaspreise nicht nur ein Preisfaktor, sondern ein Wettbewerbsthema – insbesondere dort, wo energieintensive Prozesse oder hohe Grundlasten kaum kurzfristig zu reduzieren sind. Entlastungen, etwa über Bestandteile wie Netzentgelte, können aus Sicht der Wirtschaft schnell Wirkung entfalten, weil sie ohne langwierige Einzelprogramme in laufende Kalkulationen hineinwirken.
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Tempo des Staates: Wenn Genehmigungen, Förderbescheide oder Planungsverfahren zu lange dauern, wird daraus ein Investitionsrisiko: Maschinen werden später bestellt, Flächen später entwickelt, Aufträge später angenommen. Die Kammer knüpft ihre Erwartungen daher an eine Modernisierungsagenda, die Bürokratie abbaut, digitale Verfahren stärkt und Prozesse planbarer macht (IHK Ostwestfalen, 26.12.2025).
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Investitionsbedingungen: Steuerliche Impulse können Investitionen nicht ersetzen, aber sie beeinflussen Zeitpunkt und Umfang: Wer schneller abschreiben kann, verbessert kurzfristig Liquidität und reduziert Unsicherheit in der Anfangsphase eines Projekts. Genau dieses „Anschub“-Moment steht bei den IHK-Forderungen im Vordergrund.
Warum die angekündigten Programme jetzt entscheidend werden
Besonders konkret wird die Debatte bei zwei Vorhaben, die in Berlin bereits auf den Weg gebracht wurden: dem „Investitions- und Wachstumsbooster“ und dem „Bauturbo“. Aus Sicht der IHK zählt dabei nicht der Programmtitel, sondern die praktische Umsetzung: Wird es in Betrieben tatsächlich einfacher, Investitionen zu rechnen und Bau- sowie Erweiterungsprojekte zügiger zu realisieren?
Beim Wachstumsbooster hat das Bundeskabinett am 4. Juni 2025 den Entwurf für ein steuerliches Investitionssofortprogramm beschlossen. Vorgesehen sind unter anderem eine degressive Abschreibung (AfA) von 30 Prozent für bewegliche Wirtschaftsgüter für Investitionen ab dem 1. Juli 2025 bis Ende 2027 sowie weitere steuerliche Elemente, die Investitionen begünstigen sollen (Bundesfinanzministerium, 04.06.2025). Für Unternehmen ist daran entscheidend, ob die Regeln schnell, rechtssicher und ohne zusätzliche Nachweislast nutzbar werden – denn erst dann wird aus einem fiskalischen Instrument ein realer Investitionsimpuls.
Der „Bauturbo“ soll über Änderungen im Baugesetzbuch Planungs- und Genehmigungsverfahren erleichtern und beschleunigen. Die Bundesregierung stellte dazu im Juni 2025 einen Gesetzentwurf in Aussicht, der unter anderem Nachverdichtung, Aufstockungen und schnellere Abläufe ermöglichen soll (BMWSB, 23.06.2025). Für die regionale Wirtschaft wäre das besonders dort relevant, wo Betriebe Flächen erweitern, Standorte modernisieren oder Wohnraum für Fachkräfte schaffen wollen – weil Zeitverluste am Ende nicht nur Kosten treiben, sondern auch Wachstumschancen verschieben.
Die Forderungen passen zu den Belastungen vieler Unternehmen
Dass die IHK mit Energiekosten und Bürokratie zentrale Hebel adressiert, deckt sich mit den Prioritäten vieler Betriebe. Im IHK-Unternehmensbarometer zur Bundestagswahl 2025 werden Bürokratie und Energiekosten als zentrale Belastungen für die Wettbewerbsfähigkeit genannt; als wichtigste Aufgaben für die Politik nennen Unternehmen vor allem Bürokratieabbau, beschleunigte Planungs- und Genehmigungsverfahren sowie die Beschleunigung und Digitalisierung von Verwaltungsleistungen (IHK-Unternehmensbarometer, 12.03.2025). Diese Rückmeldungen erklären, warum die Kammer ihre Erwartungen nicht an Einzelmaßnahmen für Branchen knüpft, sondern an Strukturthemen, die den Standort insgesamt betreffen.
Zugleich zeigt der Blick auf die Preisentwicklung, warum die IHK trotz einzelner Entspannungssignale weitere Entlastungen fordert. Nach Angaben von Destatis lagen die Energiepreise auf Erzeugerebene im April 2025 unter dem Vorjahresniveau; Erdgas war im Jahresvergleich um 6,2 Prozent günstiger, Strom um 7,5 Prozent (Destatis, 20.05.2025). Für viele Unternehmen bedeutet ein Rückgang solcher Indikatoren jedoch nicht automatisch planbare, dauerhaft wettbewerbsfähige Energiekosten – etwa wenn Preisbestandteile, Vertragsstrukturen oder die Volatilität die Kalkulation weiterhin erschweren. Genau an diesem Punkt setzt die IHK mit ihrer Forderung nach verlässlicher Entlastung an.
Die Kernbotschaft zum Jahreswechsel ist damit pragmatisch: Für 2026 wird aus Sicht der regionalen Wirtschaft entscheidend sein, ob Entlastung bei Energie, schnellere Verwaltung und steuerliche Investitionsanreize als spürbare Erleichterung im Betriebsalltag ankommen – und nicht nur als politische Überschrift.
Häufig gestellte Fragen
Quellen
- https://www.radiobielefeld.de/nachrichten/am-puls-der-stadt/ihk-in-bielefeld-formuliert-erwartungen-an-die-politik.html, 26.12.252025
- https://www.ihk.de/ostwestfalen/ihre-ihk/presse/pressemeldungen/pressemeldungen2025/pm-2025-wirtschaftsausblick-6927924
- https://www.bundesfinanzministerium.de/Content/DE/Pressemitteilungen/Finanzpolitik/2025/06/2025-06-04-kabinett-beschliesst-wachstumsbooster.html
- https://www.bmwsb.bund.de/SharedDocs/pressemitteilungen/DE/2025/06/bauturbo-pm.html?nn=42820
- https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2025/05/PD25_179_61241.html
- https://www.ostwestfalen.ihk.de/fileadmin/Bilder/Presse/2025/IHK-Unternehmensbarometer_Bundestagswahl_2025.pdf

