Wirtschaftspolitische Erwartungen zum Jahreswechsel
IHK fordert 2026: Jetzt müssen Energiekosten runter und Investitionen endlich ankommen
Die Industrie- und Handelskammer Ostwestfalen zu Bielefeld (IHK) verbindet den Jahreswechsel 2025/2026 mit einem wirtschaftspolitischen Appell: Für 2026 brauche es vor allem spürbar niedrigere Energiekosten, eine Modernisierung von Staat und Verwaltung sowie steuerliche Impulse, die Investitionen erleichtern.
Entscheidend sei aus Sicht der Kammer weniger ein weiteres Paket an Ankündigungen als die wirksame Umsetzung bereits benannter Instrumente – etwa von „Investitions- und Wachstumsbooster“ und „Bauturbo“.
Drei Hebel stehen für die IHK im Mittelpunkt
Inhaltlich bündelt die IHK ihre Erwartungen auf drei Hebel. Erstens: Energiekosten senken. Zweitens: Staat und Verwaltung modernisieren. Drittens: Investitionsanreize setzen – insbesondere über steuerliche Impulse, die Unternehmen bei der Finanzierung und Planung von Vorhaben entlasten.
Die Stoßrichtung ist dabei als Gesamtpaket angelegt. Aus Sicht der Kammer hängen Wettbewerbsfähigkeit und Investitionsbereitschaft nicht an einer einzelnen Stellschraube, sondern an einem Zusammenspiel aus Kosten, Tempo und Verlässlichkeit: Wenn Energie teuer bleibt, Genehmigungen lange dauern und Regeln häufig wechseln, wird selbst ein grundsätzlich investitionsbereites Unternehmen zögerlicher – oder verschiebt Projekte.
Konkreter wurde die IHK bereits Anfang Dezember 2025 beim Jahresempfang: Dort verband sie die Forderung nach Entlastung explizit mit niedrigeren Netzentgelten und dem geplanten Industriestrompreis. Gleichzeitig machte sie deutlich, dass es für Unternehmen auf schnelle, planbare Rahmenbedingungen ankomme – also auf Regeln, die nicht nur angekündigt, sondern im Alltag anwendbar sind.
Der Fokus liegt auf Umsetzung statt neuen Ankündigungen
Auffällig ist, dass die IHK ihren Appell nicht auf neue Vorhaben verengt. Stattdessen verweist sie auf Instrumente, die politisch bereits im Raum stehen – darunter „Investitions- und Wachstumsbooster“ und „Bauturbo“. Aus Sicht der Kammer entscheidet sich der Wert solcher Programme erst an der Praxis: Erleichtern sie Investitionen tatsächlich, kommen Verfahren schneller voran, erreichen Entlastungen die Betriebe messbar?
Auf Bundesebene ist der Begriff „Wachstumsbooster“ mit der Investitionsoffensive im Bundeshaushalt 2026 verknüpft: Die Bundesregierung ordnet darunter zentrale Bausteine ein, zu denen auch der „Bauturbo“ zählt. Für Unternehmen in Ostwestfalen ist dabei weniger das Label entscheidend als die Wirkung vor Ort – etwa ob Bau- und Erweiterungsprojekte tatsächlich schneller genehmigt werden, ob steuerliche Entlastungen Liquidität freisetzen und ob Planungs- und Investitionsrisiken sinken.
Die Forderung nach einer Modernisierungsagenda für Staat und Verwaltung zielt in dieselbe Richtung. Gemeint ist nicht abstrakte Reformrhetorik, sondern ein Staat, der in wirtschaftsrelevanten Verfahren zuverlässig funktioniert: mit digitaleren Abläufen, klaren Zuständigkeiten und Genehmigungsprozessen, die berechenbar werden. Dass diese Debatte bundesweit geführt wird, zeigt auch ein Impulspapier des Bundeswirtschaftsministeriums zur Modernisierungsagenda (Oktober 2024), das Vereinfachung von Regeln, Verlässlichkeit in Planung und Investitionsförderung als zentrale Hebel beschreibt. Für die regionale Wirtschaft wäre das vor allem dort spürbar, wo Zeit zu Geld wird – etwa bei Fabrikumbauten, neuen Standorten, Netzanschlüssen oder der Umstellung auf neue Energieträger.
Die IHK versteht sich als Stimme der regionalen Wirtschaft
Die IHK Ostwestfalen zu Bielefeld ist als Körperschaft des öffentlichen Rechts Interessenvertretung und Selbstverwaltungseinrichtung der gewerblichen Wirtschaft in der Region. Nach eigenen Angaben begleitet sie rund 115.000 Unternehmen. Vor diesem Hintergrund ist ihr Jahreswechsel-Appell auch als Signal aus der Breite der regionalen Unternehmenslandschaft zu lesen – von Industrie über Handel bis zu Dienstleistungen.
Dass die Forderungen nicht isoliert stehen, zeigt die Frühjahrskonjunkturumfrage 2026 der IHK: Dort meldete die Kammer erste Anzeichen einer Stabilisierung; der Konjunkturklimaindikator lag demnach erstmals seit vier Jahren wieder über der Marke von 100 Punkten (105). Grundlage waren Antworten von 1.720 Unternehmen (Befragungszeitraum Mitte Januar bis Mitte Februar 2026). In den Rückmeldungen tauchen die Themen wieder auf, die die IHK auch zum Jahreswechsel betont: wettbewerbsfähige Arbeits- und Energiekosten, Bürokratieabbau, schnellere Genehmigungen und verlässliche Rahmenbedingungen – nicht als Wunschliste, sondern als Bedingungen, unter denen Investitionen wahrscheinlicher werden.
Die Kernbotschaft der IHK ist damit klar: Für 2026 geht es aus ihrer Sicht weniger um weitere politische Versprechen als um spürbare Entlastung und eine Umsetzung, die im Betriebsalltag ankommt. Ob das gelingt, wird für Investitionen – und damit für Wachstum und Beschäftigung in Ostwestfalen – ein zentraler Prüfstein.
Häufig gestellte Fragen
Quellen
- https://www.radiobielefeld.de/nachrichten/am-puls-der-stadt/ihk-in-bielefeld-formuliert-erwartungen-an-die-politik.html, 26.12.2025
- https://www.ihk.de/ostwestfalen/ihre-ihk/kontakt/anfahrt-und-oeffnungszeiten/hauptgeschaeftsstelle-6790732
- https://www.ostwestfalen.ihk.de/presse/aktuelle-pressemeldungen/jahresempfang-der-ihk-ostwestfalen-klare-botschaften-und-beitragssenkung/
- https://www.bundesregierung.de/breg-de/aktuelles/bundeshaushalt-2026-2374030
- https://www.ihk.de/ostwestfalen/region-ostwestfalen/zahlen-daten-fakten/konjunktur-ostwestfalen-regional-6762202

