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French Open: Favoritenrolle für Zverev

Zverev plötzlich Titelfavorit: Diese Gegner können ihn in Paris noch stoppen

Die Lage im Männerfeld hat sich in Paris innerhalb weniger Tage spürbar verschoben. Jannik Sinner ist bereits in Runde zwei ausgeschieden, Carlos Alcaraz hat seine Teilnahme wegen einer Handgelenksverletzung abgesagt – das Turnier hat damit zwei Fixpunkte verloren, an denen sich die Setzliste und die Erwartungshaltung vieler Fans orientiert hatten. Für Alexander Zverev bedeutet das: Er rückt stärker als zuvor in die Rolle des Spielers, an dem sich in der zweiten Turnierwoche vieles ausrichtet.

Der 29-Jährige geht bei den French Open nun mit einer Ausgangslage in die nächsten Runden, wie sie sich bei Grand Slams nicht häufig ergibt: ein offeneres Tableau – und gleichzeitig die klare Chance, endlich den ersten Major-Titel zu gewinnen. In der dritten Runde trifft Zverev am Freitagabend (nicht vor 20.15 Uhr) auf den Franzosen Quentin Halys, gespielt wird auf dem Court Philippe-Chatrier.

Warum Zverev jetzt im Zentrum steht

Dass Zverev aktuell als einer der naheliegendsten Titelfavoriten gilt, ist vor allem das Ergebnis dieser Konstellation: Sinners frühes Aus und Alcaraz’ Rückzug nehmen dem Turnier zwei Spieler, die zuletzt in nahezu jeder Paris-Vorschau als natürliche Endspielkandidaten gehandelt wurden. Das Feld ist dadurch nicht „leicht“ geworden – aber weniger vorhersehbar.

Gerade für Zverev ist das eine heikle Mischung aus Gelegenheit und Erwartungsdruck. Denn seine Vergangenheit auf Grand-Slam-Bühne zeigt, wie schnell sich Partien und Turnierläufe drehen können. Im US-Open-Finale 2020 führte er gegen Dominik Thiem bereits mit zwei Sätzen, am Ende fehlten ihm zwei Punkte zum Titel. Danach folgten zwei weitere Niederlagen in Major-Endspielen. Wer Zverevs Karriere in den großen Momenten verfolgt hat, weiß: Die entscheidende Frage ist nicht nur, wie stark die Gegner sind – sondern wie stabil er bleibt, wenn die Tür tatsächlich offensteht.

Djokovic bleibt trotz Fragezeichen ein Faktor

Novak Djokovic ist in dieser Gemengelage weiterhin der Gegner mit der größten historischen Wucht. Der Serbe jagt in Paris seinen 25. Grand-Slam-Titel; gelänge ihm das, würde er zum alleinigen Rekordhalter aufsteigen. Aktuell teilt er sich die Bestmarke mit Margaret Court. Selbst wenn Djokovic nicht als makelloser Topfavorit in dieses Turnier geht, bleibt seine Erfahrung in Fünf-Satz-Matches ein eigener Wettbewerbsfaktor: Er hat unzählige Partien gewonnen, in denen andere an der Dramaturgie eines Grand Slams zerbrechen.

Allerdings sind die Rahmenbedingungen diesmal nicht frei von Unsicherheiten. Djokovic ist 38 Jahre alt, die Belastung in Paris kann – je nach Wetter und Matchlängen – zum Thema werden. Und auch wenn er auf Sand große Titel gewonnen hat, gilt dieser Belag nicht als sein „komfortabelster“ Untergrund im Vergleich zu manch anderem Spitzenspieler. Hinzu kommt: Wenn die Vorbereitung auf die Sandplatzsaison nicht optimal verläuft, steigt in Paris das Risiko, dass ein enger Moment kippt – nicht weil Djokovic das Tennis verlernt hätte, sondern weil bei Grand Slams jede kleine Einschränkung in der zweiten Woche exponentiell wirkt.

Jódar und Ruud: zwei sehr unterschiedliche Risiken

Unter den verbliebenen Namen werden auch Spieler genannt, die auf ganz unterschiedliche Art gefährlich werden können. Rafael Jódar stünde für das Element Überraschung: jung, dynamisch, mit einem Spiel, das eher auf Tempo und Risiko setzt als auf geduldige Abnutzung über lange Rallys. In solchen Turnieren kann genau diese Unbekümmertheit eine Waffe sein – gerade gegen Favoriten, die plötzlich mehr verlieren als gewinnen „müssen“. Gleichzeitig wäre bei einem 19-Jährigen auf der größten Bühne stets die Frage, wie er reagiert, wenn ein Match in Paris zum Mentaltest wird: tiefe Abend-Session, Drucksituationen, Publikum, Momentumwechsel.

Deutlich klarer einzuordnen ist Casper Ruud. Der Norweger hat in Paris bereits bewiesen, dass er das Turnier „lesen“ kann: Er stand 2022 und 2023 im Finale der French Open – Erfahrung, die in der zweiten Woche Gold wert ist, weil es dann nicht mehr nur um Schläge geht, sondern um Routinen, Erholung, Nerven und das richtige Risikomanagement. In beiden Endspielen unterlag Ruud (2022 Rafael Nadal, 2023 Djokovic), doch gerade diese Historie macht ihn gefährlich: Ruud kennt die Wege bis ganz nach hinten, und er weiß, wie schnell in Paris aus einem soliden Lauf eine echte Titelchance werden kann, wenn das Feld offen ist.

Was das für Zverev bedeutet

Für Zverev ist das Turnier damit so günstig wie lange nicht – und gleichzeitig anspruchsvoll wie immer.

Djokovic bringt die Erfahrung und die Fähigkeit mit, sich über zwei Wochen in Form zu spielen. Ruud besitzt die stabilste Paris-Bilanz der verbliebenen Verfolger. Und ein Außenseiter wie Jódar könnte vor allem dann unangenehm werden, wenn er früh in ein Match hineinwächst und Zverev in eine Rolle zwingt, die psychologisch schwerer ist als jede Nummer auf dem Papier: der Mann, der „jetzt liefern muss“.

Der entscheidende Punkt für Zverev wird daher weniger sein, ob der Blick rechnerisch Richtung Finale am 7. Juni möglich ist – sondern ob er es schafft, genau diesen Blick konsequent zu vermeiden. In Paris gewinnt selten derjenige, der am frühesten an den Pokal denkt. In Paris gewinnt, wer die nächste Stunde kontrolliert.

Häufig gestellte Fragen

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