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French Open mit offener Favoritenlage

Zverevs große Chance in Paris – doch diese Gegner lauern noch

Alexander Zverev steht bei den French Open so günstig da wie selten bei einem Grand Slam. Nach dem frühen Aus von Jannik Sinner und dem verletzungsbedingten Startverzicht von Carlos Alcaraz ist das Feld offener geworden – aber der Weg zum ersten Major-Titel bleibt anspruchsvoll.

Zverev hat diese Ausgangslage zunächst genutzt: In der dritten Runde setzte er sich am Freitagabend auf dem Court Philippe-Chatrier gegen den Franzosen Quentin Halys in vier Sätzen durch (6:4, 6:3, 5:7, 6:2) und steht im Achtelfinale. Gerade der kurze Einbruch im dritten Satz liefert dabei ein realistisches Bild: Es gibt in Paris weniger „Unmögliches“ als in manchen Jahren – aber weiterhin genug Phasen, in denen Konzentration und Spielmanagement über Wochen hinweg tragen müssen.

Die Favoritenlage hat sich deutlich verschoben

Binnen weniger Tage hat sich die Statik des Turniers verändert. Sinner, einer der Spieler, die das Turnier vorab geprägt hatten, ist bereits in Runde zwei ausgeschieden. Alcaraz, zuletzt Doppel-Champion in Paris, sagte seinen Start wegen einer Verletzung am rechten Handgelenk ab; auch die Turnierveranstalter bestätigten den Forfait.

Für Zverev bedeutet das: weniger Fixpunkte im Tableau, mehr Möglichkeiten – und damit auch mehr Erwartungsdruck. In einem „normalen“ Jahr lässt sich eine Niederlage gegen einen der dominierenden Stars eher erklären. In einem offenen Jahr wird jedes Wackeln schnell zur verpassten Gelegenheit umgedeutet. Genau darin liegt die neue Spannung für die kommenden Runden.

Djokovic, Jódar, Ruud: Drei sehr unterschiedliche Gefahren

Novak Djokovic

Der prominenteste verbliebene Name ist Novak Djokovic. Der 39-Jährige jagt in Paris seinen 25. Grand-Slam-Titel – ein Triumph, der ihn zum alleinigen Rekordhalter machen würde; derzeit teilt er die Bestmarke mit Margaret Court. Auch wenn seine Vorbereitung als nicht ideal gilt und äußere Faktoren wie die Hitze in Paris eine zusätzliche Belastung sein können, bleibt Djokovic im Best-of-five-Format ein Gegner, dessen Routine und Anpassungsfähigkeit Spiele kippen kann, wenn andere nervös werden.

Rafael Jódar

Eine völlig andere Unbekannte ist Rafael Jódar. Der 19-jährige Spanier wird auf der Tour als Aufsteiger dieser Saison gehandelt; die ATP führte ihn zuletzt als eines der jungen Gesichter, die innerhalb kurzer Zeit in die erweiterte Spitze vorgedrungen sind. Für Gegner ist das eine besondere Herausforderung: Weniger belastbare Grand-Slam-Erfahrung auf der einen Seite, dafür Tempo, Mut und ein Spielstil, der schnelle Entscheidungen erzwingt. In einem Turnier, das offener geworden ist, können genau solche Profile besonders unangenehm werden, weil sie sich nicht an gängigen „Drehbüchern“ orientieren.

Casper Ruud

Konstanz bringt dagegen Casper Ruud mit. Der 27-Jährige ist auf Sand seit Jahren verlässlich stark und stand 2022 sowie 2023 bereits im Finale der French Open. Seine Qualität liegt weniger im Überraschungsmoment als in der Stabilität: hohe Länge im Grundlinienspiel, geduldige Punkte, klare Muster. Für Zverev ist das die Art von Gegner, gegen die sich ein Match nicht „von selbst“ löst – man muss es mit Entscheidungen gewinnen, nicht mit Hoffnung auf Fehler.

Für Zverev wird vor allem der Kopf zum Faktor

In Zverevs Fall dreht sich die entscheidende Frage weniger um das reine Spielniveau als um die Turnierführung: Wie sauber verwaltet er Vorteile, wie konsequent bleibt er in den Phasen, in denen ein Gegner kurz Luft bekommt?

Die Vergangenheit liefert dafür die bekannten Bezugspunkte. Im US-Open-Finale 2020 führte Zverev gegen Dominik Thiem bereits mit zwei Sätzen; am Ende fehlten ihm zwei Punkte zum Titel. Später kamen zwei weitere Niederlagen in Grand-Slam-Endspielen hinzu. Das ist Erfahrung – aber eben auch Erinnerung daran, wie klein die Kante zwischen „großer Chance“ und „später Reue“ sein kann.

Die Konstellation in Paris verstärkt diesen mentalen Aspekt. Wenn zwei der größten Namen des Turniers wegfallen, wächst die Versuchung, den Blick zu früh Richtung Finale zu richten. Zverevs Aufgabe ist deshalb klar umrissen: von Runde zu Runde denken, das eigene Spiel diszipliniert durchziehen, die wechselnden Anforderungen der Gegner akzeptieren – und den Druck, der mit einer selten offenen Titelchance einhergeht, nicht als Last, sondern als Rahmenbedingung zu behandeln.

Zverevs Chance in Paris ist so groß wie lange nicht. Gerade deshalb wird in den kommenden Tagen weniger die Größe der Gelegenheit entscheidend sein – sondern die Ruhe, mit der er sie verteidigt.

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