Karte bitte wandern lassen in Bielefeld: Ausstellung über Mut und Widerstand


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Ein stilles, aufrüttelndes Bühnenerlebnis des Widerstands
Mit der Ausstellung Karte bitte wandern lassen öffnet sich in der Peter-und-Pauls-Kirche Heepen ein eindringlicher Erinnerungsraum. Im Mittelpunkt stehen Otto und Elise Hampel, ein Berliner Arbeiterehepaar, das zwischen 1940 und 1942 mit Postkarten und Flugzetteln gegen das NS-Regime protestierte. Die Schau verbindet historische Dokumente, literarische Erinnerung und kirchlichen Raum zu einer dichten Theateratmosphäre der Erkenntnis.
Zwischen Sakralraum und Geschichte
Die Ausstellung entfaltet ihre Wirkung gerade dort, wo man sie nicht erwartet: in einer Kirche, deren stille Mauern die Kraft des Widerstands umso deutlicher hörbar machen. Fotografische Reproduktionen der Original-Postkarten und Flugzettel aus dem Bundesarchiv Berlin bilden den Kern der Präsentation. Ergänzende Einführungstexte ordnen die historischen Quellen ein und lassen den Zuschauer die Mechanik von Anpassungsdruck, Denunziation und Mut mit besonderer Klarheit nachvollziehen.
Ein Ehepaar gegen die Gewalt des Systems
Otto und Elise Hampel handelten ohne politische Macht, ohne Schutz, ohne Lautstärke. Gerade diese Unspektakulärität verleiht ihrer Geschichte eine beklemmende Größe. Die Ausstellung erinnert daran, wie zwei Menschen in der Barbarei nicht verstummten, sondern mit kleinem, riskantem Zeichen ihre Würde verteidigten. Hans Falladas literarische Verarbeitung in Jeder stirbt für sich allein schwingt als kulturhistorischer Resonanzraum mit und verleiht der Schau zusätzliche Tiefenschärfe.
Bild, Film und öffentliche Erinnerung
Ergänzt wird die Präsentation durch Gemälde des Bielefelder Grafikers Peter Flachmann, die das Thema Widerstand in eine zeitgenössische Bildsprache übersetzen. In der Sakristei läuft zudem der Film Meine Kindheit im Krieg von Detlev Hamann mit Zeitzeugenbezügen aus Bielefeld. So entsteht ein vielschichtiges Erinnerungsformat zwischen Dokumentation, Kunst und Gedenkkultur.
Warum sich der Besuch lohnt
Diese Ausstellung ist kein lautes Spektakel, sondern ein konzentriertes Bühnenerlebnis des Gewissens. Wer sich auf die Inszenierung des Erinnerns einlässt, erlebt historische Präzision, emotionale Verdichtung und die seltene Kraft eines Ortes, der Geschichte nicht nur zeigt, sondern spürbar macht. Ein Besuch in Heepen verspricht Nachdenklichkeit, kulturelle Tiefe und einen intensiven Blick auf gelebten Widerstand.
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