Nacht und Nebel im Lichtwerk Bielefeld: Filmkunst gegen das Vergessen


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Nacht und Nebel: Ein filmisches Erinnern gegen das Vergessen
Am 9. November 2026 zeigt das Lichtwerk in Bielefeld Alain Resnais’ eindringlichen Dokumentarfilm Nacht und Nebel aus dem Jahr 1956. Die Sondervorstellung erinnert an die Pogromnacht vom 9. November 1938 und verbindet die Filmvorführung mit einer Einführung des Filmkritikers, Autors und Kurators Michael Girke.
Ein Schlüsselwerk der filmischen Erinnerungskultur
Alain Resnais’ rund halbstündiger Dokumentarfilm zählt zu den bedeutendsten frühen filmischen Auseinandersetzungen mit den nationalsozialistischen Konzentrationslagern und der Vernichtung der europäischen Jüdinnen und Juden. In einer bewusst zurückgenommenen Bildsprache begegnen sich zeitgenössische Aufnahmen aus Auschwitz-Birkenau und dokumentarisches Material der Alliierten. Die ästhetische Erfahrung entsteht aus dem Spannungsverhältnis zwischen stillen, menschenleeren Orten und den historischen Bildern, deren Bedeutung sich erst im gedanklichen Nachvollzug erschließt.
Zwischen Farbe, Schwarz-Weiß und sprachlicher Präzision
Die Montage von Gegenwart und Vergangenheit erzeugt eine beklemmende Raumwirkung. Verlassene Gleise, Gebäude und Landschaften erscheinen zunächst ruhig, doch die Kamerabilder tragen die Spuren einer ausgelöschten Geschichte. Resnais’ Malerei des filmischen Raums arbeitet nicht mit dramatischer Inszenierung, sondern mit Kontrast, Rhythmus und bewusster Zurückhaltung. Die deutsche Sprachfassung ist eng mit dem Dichter Paul Celan verbunden, der an der sensiblen Übertragung des Textes beteiligt war.
Kunsthistorische Einordnung und kulturelle Bildung
Nacht und Nebel markiert eine wichtige Position im europäischen Dokumentarfilm der Nachkriegszeit. Der Film verweigert eine einfache Dramatisierung des Holocaust und entwickelt stattdessen eine Form der Werkbetrachtung, die Erinnerung als offene, verantwortungsvolle Aufgabe begreift. Seine Wirkung reichte weit über das Kino hinaus und beeinflusste Filmemacher, Künstler, Dichter und politische Aktivisten. Auch der Komponist Hanns Eisler war an der Entstehung beteiligt.
Einführung mit Michael Girke
Vor der Vorführung ordnet Michael Girke den Film in seine Entstehungsgeschichte und Wirkungsgeschichte ein. Als Autor und Filmkritiker schreibt er unter anderem für den Freitag, den Neuen Deutschland und den Film-Dienst. Darüber hinaus war er kuratorisch für das Filmmuseum Düsseldorf tätig und lehrte an der Hochschule für bildende Künste Hamburg. Seine Einführung eröffnet Zugänge zur filmischen Form, zur Erinnerungskultur und zur politischen Bedeutung des Werks.
Ein Abend des Gedenkens im Lichtwerk
Die Veranstaltung findet als Kooperation des Filmhauses Bielefeld mit dem Lichtwerk Kino statt. Das Kunsterlebnis verbindet konzentrierte Filmrezeption, historische Reflexion und kulturelle Bildung. Die Einnahmen der Veranstaltung werden der Stolperstein-Initiative Bielefeld e. V. gespendet.
Fazit: Erinnerung als ästhetische Erfahrung
Die Sondervorstellung von Nacht und Nebel bietet einen intensiven Abend zwischen Filmkunst, historischer Verantwortung und gemeinsamer Gedenkkultur. Wer die Wirkung dieses stillen, kompromisslosen Dokumentarfilms live im Kinoraum erfahren und seine Bildsprache im Gespräch vertiefen möchte, findet im Lichtwerk einen wichtigen Ort für Erinnerung und Auseinandersetzung.
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