Eine Krankheit wie ein Gedicht in der Kamera: Dokumentarkino über Familie und psychische Erkrankung


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Eine Krankheit wie ein Gedicht: Kino als intensive Begegnung mit Krankheit, Kunst und Familie
Am Dienstag, 6. Oktober 2026, wird die Kamera in Bielefeld zum Ort einer besonderen filmischen Begegnung. Der Dokumentarfilm Eine Krankheit wie ein Gedicht von Jelena Ilić verbindet persönliche Erinnerung, psychologische Recherche und künstlerische Bildsprache. Zur Vorführung kommt die Regisseurin selbst nach Bielefeld; moderiert wird der Abend von der Bielefelder Filmemacherin Beate Middeke.
Zwischen Nähe, Verletzung und Verantwortung
Im Zentrum steht die Beziehung zwischen einer Tochter und ihrem Vater, der nach einer drogeninduzierten Psychose viele Jahre in der forensischen Psychiatrie verbringt. Ilić betrachtet ihn zugleich als Menschen, als Familienmitglied und als Künstler. Der Film verschweigt Gewalt und Überforderung nicht, sondern stellt ihnen eine komplexe, von Liebe, Abgrenzung und Verantwortung geprägte Beziehung gegenüber.
Wenn innere Welten zu Bildern werden
Die ästhetische Erfahrung des Films entsteht aus dem Zusammenspiel dokumentarischer Gespräche, historischer Fotografien, Videoaufnahmen und künstlerischer Arbeiten des Vaters. Malerei, Skulptur und inszenierte Selbstporträts werden zu Spuren einer psychischen Innenwelt. Besonders eindringlich wirkt das gemeinsame Comicbuch von Vater und Tochter, dessen Seiten beide abwechselnd gestalten. Zeichnung und Animation übersetzen Erfahrungen, die sich einer rein sprachlichen Beschreibung entziehen.
Eine visuelle Sprache für psychische Erkrankung
Jelena Ilić entwickelt eine sensible filmische Form zwischen Dokumentarfilm, Animation und visueller Essayistik. Die Kamera führt durch Erinnerungsräume, familiäre Archive und die künstlerischen Zeugnisse des Vaters. So entsteht ein vielschichtiges Porträt über psychische Erkrankung, gesellschaftliche Ausgrenzung und die schwierige Frage, wie Nähe nach Verletzungen möglich bleibt.
Ausgezeichnetes Dokumentarkino mit Gespräch
Eine Krankheit wie ein Gedicht wurde mehrfach mit Publikumspreisen ausgezeichnet, darunter beim Filmfestival Max Ophüls Preis und beim Internationalen Frauen Film Fest Dortmund+Köln. Die Bielefelder Veranstaltung erweitert die Filmvorführung um die persönliche Anwesenheit der Regisseurin und ein moderiertes Gespräch. Damit wird das Kino zum Raum für Werkbetrachtung, kulturelle Bildung und einen offenen Austausch über Kunst, Krankheit und familiäre Rollen.
Fazit: Ein Kunsterlebnis auf der großen Leinwand
Das Publikum erwartet ein berührender und formal eigenständiger Dokumentarfilm voller Wärme, Humor und visueller Kraft. Die Ausstellungsatmosphäre einer Galerie weicht hier der konzentrierten Dunkelheit des Kinosaals, in der Fotografien, Malerei, Skulptur und Animation eine neue Wirkung entfalten. Wer sich für zeitgenössisches Dokumentarkino, künstlerische Selbstzeugnisse und die ästhetische Erfahrung persönlicher Geschichten interessiert, sollte diesen besonderen Abend in der Kamera live erleben.










